Sprachen in der Schweiz
01.08.2026
Bildquelle: Eigene Darstellung
Christian
KulturSpracheCheck-in (Basics)

Am 1. August – dem Schweizer Nationalfeiertag – herrscht überall in der Schweiz reges Treiben. Es wird auf dem Bauernhof gefrühstückt, gefeiert, grilliert und über die Schweiz diskutiert. Doch Moment mal – in welcher Sprache eigentlich? Wir nutzen die Bundesfeier, um einen Blick auf die Sprache(n) in der Schweiz zu werfen.

Hat die Schweiz überhaupt eine eigene Sprache?

Ein «Schweizerisch» gibt es genauso wenig wie ein «Brasilianisch», mit dem Unterschied, dass in Brasilien nur eine Sprache, nämlich Portugiesisch, gesprochen wird. In der Schweiz gibt es offiziell 4 Sprachen. Sie haben richtig gelesen: 4! Diese Mehrsprachigkeit ist ein bedeutender Aspekt der Schweizer Identität und sogar gesetzlich verankert.

Die 4 offiziellen Sprachen sind: Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Je nach Region werden Sie eine dieser Sprachen häufiger hören. In Zürich und Bern wird hauptsächlich Deutsch gesprochen, in Genf und Lausanne Französisch, in Lugano Italienisch und in einigen Teilen Graubündens Rätoromanisch.

Viele Schweizer sprechen auch Englisch, besonders in den grösseren Städten und im Geschäftsleben. Es ist jedoch hilfreich und wird sehr geschätzt, wenn Sie versuchen, eine der lokalen Sprachen zu lernen. Es gibt viele Sprachkurse und Apps, die Ihnen dabei helfen können.

Hochdeutsch und Schweizerdeutsch

«Schwiizerdütsch» (= Schweizerdeutsch), das in der Deutschschweiz gesprochen wird, kann sich stark vom Hochdeutschen unterscheiden – nicht nur was die Schreibweise betrifft, sondern auch in Bezug auf die Aussprache. Und noch viel schlimmer: Es ist sogar von Region zu Region unterschiedlich. Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken! Die meisten Schweizer verstehen Hochdeutsch und werden Ihnen gern helfen, sich an den Dialekt zu gewöhnen.

Zum Trost: Selbst Deutsche, die nicht häufig in der Schweiz sind, haben so ihre liebe Mühe mit dem Schweizerdeutsch. Das fängt schon damit an, dass für ein und dasselbe zum Teil andere Begriffe verwendet werden. So schwingt sich der Schweizer auf sein «Velo» statt auf das «Fahrrad». Oder er benutzt das «Töff» und nicht das «Motorrad».

Auf Strassenschildern, Menükarten oder sogar der Tastatur des Computers wird Ihnen schnell auffallen, dass die Schweizer einfach beschlossen haben, den Buchstaben «ß» aus dem deutschen Alphabet zu verbannen. Warum? Das weiss niemand so genau. Jedenfalls wird die «Straße» zur «Strasse» und der «Fußball» zum «Fussball». Aber Vorsicht: Es kann peinlich werden, wenn sich dadurch die Bedeutung ändert! Es macht eben doch einen Unterschied, ob man Bier in Maßen oder in Massen trinkt, nicht wahr?!

Röstigraben

Mit dem Schweizerdeutsch ist das so eine Sache. Manche behaupten sogar ketzerisch, dass in der Schweiz nicht nur 4, sondern 5 Sprachen gesprochen werden – und meinen damit das Schweizerdeutsch als fünfte Sprache. Aber egal wie man dazu steht, viel relevanter ist für die Schweizer die Sprachgrenze zwischen der Romandie (= französischsprachiger Teil der Schweiz, auch als «Welschland» bezeichnet) und der Deutschschweiz (= deutschsprachiger Teil der Schweiz), die von den Schweizern liebevoll «Röstigraben» genannt wird.

Der «Röstigraben» ist ein humorvoller Begriff, der sich aus einer beliebten schweizer Kartoffelspeise (= Rösti) ableitet und andeuten soll, dass es zwischen Romands und Deutschschweizern nicht nur bezüglich der Sprache, sondern auch hinsichtlich anderer Aspekte wie z.B. Kultur und Politik, Unterschiede gibt. So zeigt sich bei politischen Abstimmungen des Öfteren in der Romandie ein ganz anderes Bild als in der Deutschschweiz. Trotz dieser Unterschiede ist der Röstigraben eher ein Symbol für die bunte Mischung der Kulturen als eine echte Trennung. Und am Ende des Tages geniessen alle Schweizer gemeinsam ihre leckeren Rösti – egal, auf welcher Seite des Grabens sie leben.

Und was ist mit Portugiesisch?

Die in der Schweiz am häufigsten gesprochenen Nicht-Landessprachen sind übrigens Englisch und Portugiesisch. Ja, genau: Portugiesisch! Neben den Brasilianern gibt es nämlich auch viele Portugiesen in der Schweiz. Rund 3.5% der Menschen gaben in einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2023 an, dass Portugiesisch ihre Hauptsprache ist, also etwa jede 30. Person. Zählen Sie beim nächsten Spaziergang durch die Zürcher Innenstadt einfach mal die Personen ab, und mit ein bisschen Glück wird Ihnen die Nummer 30 mit einem «Oi, tudo bem?» antworten. Aber im Ernst, es ist tatsächlich häufiger der Fall, dass man in der Zürcher Innenstadt oder Tram Portugiesisch hört. Das mag überraschen. Andererseits ist es ein schönes Gefühl und hilft dabei, sich schnell einzuleben.

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