In der Schweiz ist Sommer. Das lockt viele Menschen in die Berge, wo sich die Natur von ihrer schönsten Seite zeigt. Wie jedes Jahr werden auch diesmal viele Touristen aus dem Ausland erwartet. Für die Einreise gelten ab diesem Jahr neue Regeln, die jeden betreffen, der aus einem Land ausserhalb des Schengen-Raums kommt, also auch Brasilianer. Die Rede ist von zwei Neuerungen: EES und ETIAS. Doch was bedeuten diese sperrigen Abkürzungen? Und was ändert sich für Brasilianer?
Überblick: Worum geht es überhaupt?
Das «Entry/Exit System», kurz EES, ist ein neues Ein- und Ausreisesystem für die Überwachung des Schengen-Raums, das für Drittstaatsangehörige zur Anwendung kommt. Statt des üblichen Stempels im Reisepass werden die Ein- und Ausreisen digital erfasst. Das «European Travel Information and Authorisation System», kurz ETIAS, ist dagegen eine elektronische Reisegenehmigung, die bald für die visumsfreie Einreise in den Schengen-Raum benötigt wird; ähnlich wie die ESTA der USA oder die ETA des Vereinigten Königreichs.
EES: neue Kontrolle an der Grenze
Das EES wird seit dem 12. Oktober 2025 schrittweise im gesamten Schengen-Raum eingeführt. Die Schweiz startete gestaffelt: zuerst die Flughäfen Basel und Genf, danach Zürich ab Mitte November 2025, die kleineren Flughäfen folgten bis Ende März 2026.
Betroffen sind visumsbefreite Drittstaatsangehörige – also auch Brasilianer – die sich höchstens 90 Tage im Schengen-Raum aufhalten wollen. Bei der ersten Einreise werden ein Gesichtsbild und die Fingerabdrücke elektronisch erfasst. Das soll die Grenzkontrollen moderner machen und helfen, die erlaubte Aufenthaltsdauer besser zu überwachen – es erfolgt nämlich eine automatische Berechnung, wie lange man sich bereits im Schengen-Raum aufhält.
ETIAS: Reisegenehmigung vorab
Nach aktueller Planung soll ETIAS im letzten Quartal 2026 eingeführt werden, allerdings hat die EU das Startdatum schon mehrfach angepasst, so dass noch abzuwarten ist, wann es tatsächlich aktiv sein wird.
Mit ETIAS müssen visumbefreite Drittstaatsangehörige vor der Reise in den Schengen-Raum online eine Genehmigung beantragen. Sie soll 20 Euro kosten, ist grundsätzlich bis zu drei Jahre (oder bis zum Ablauf des Passes) gültig und erlaubt beliebig viele Einreisen innerhalb der 90-Tage-Regel. Man braucht einen Pass, der noch mindestens drei Monate gültig ist, eine Kreditkarte und eine E-Mail-Adresse. Aktuell müssen Reisende dafür jedoch noch nichts unternehmen, sondern erst, wenn das System tatsächlich in Kraft ist.
Was Brasilianer beachten sollten
Für Brasilianer ist die wichtigste Frage: Reise ich nur kurz in die Schweiz oder ziehe ich dort hin? EES und ETIAS betreffen Sie nur, solange Sie für einen kurzen Aufenthalt als Tourist oder Besucher visumsfrei einreisen – etwa bei einer Erkundungsreise vor dem Umzug in die Schweiz. Wer länger bleibt, braucht weiterhin die passenden Aufenthalts- und Meldeunterlagen.
Sobald Sie eine gültige schweizerische Aufenthalts- oder Niederlassungsbewilligung haben, ändert sich für Sie nichts mehr; dann fallen Sie nicht mehr unter diese Systeme. EES und ETIAS sind für Sie also vor allem in der Phase vor dem Umzug relevant.
Tipp
Gerade bei Umzügen ist es sinnvoll, Einreise, Anmeldung und Aufenthaltsbewilligung getrennt zu denken. EES und ETIAS betreffen die Reise an sich, nicht den gesamten Relocation-Prozess – dafür bleiben Themen wie Gemeindeanmeldung, Bewilligung und Dokumente in der Schweiz entscheidend. Wer sauber vorbereitet ist, spart am Ende Zeit, Stress und unnötige Überraschungen an der Grenze.

