Am 1. Mai wird in einem grossen Teil der Welt der «Tag der Arbeit» gefeiert. Das gilt auch für die Schweiz, nur ist der 1. Mai hier im Gegensatz zu Brasilien kein nationaler Feiertag, sondern wird kantonal unterschiedlich gehandhabt. In Zürich zum Beispiel ist der 1. Mai ein Feiertag, während er in Bern ein normaler Arbeitstag ist. In Freiburg wiederum zählt er als halber Feiertag, aber nur für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. Die Schweizer mögen es eben kompliziert.
Der Schweizer Arbeitsmarkt
Der Schweizer Arbeitsmarkt ist vor allem als stabil, anspruchsvoll und gut bezahlt bekannt. Streiks sind äusserst selten. Die typische Wochenarbeitszeit für Vollzeitbeschäftigte beträgt zwischen 40 und 42 Stunden mit 4 bis 5 Wochen Urlaub pro Jahr. Das erscheint recht wenig, doch in vielen Unternehmen kann man zusätzliche Urlaubstage kaufen (z.B. 2 Wochen Ferien für einen halben Monatslohn).
Bei der Berechnung der Urlaubstage werden in der Schweiz nur die Werktage berücksichtigt. Ein Blockurlaub von 2 Kalenderwochen verbraucht also nur 10 Urlaubstage; anders als in Brasilien, wo die im Blockurlaub liegenden Wochenenden und Feiertage ebenfalls zu den Urlaubstagen zählen. Aber es kommt noch besser: In Brasilien bestimmt normalerweise der Arbeitgeber, wann man seinen Urlaub zu nehmen hat; in der Schweiz kann man den Zeitpunkt und die Dauer der Ferientage mit dem Arbeitgeber frei vereinbaren, auch einzelne Tage sind möglich!
Flexible Arbeitszeiten sind in der Schweiz üblich. Während in Brasilien eine formelle Arbeitszeit von 6 oder 8 Stunden pro Tag die Regel ist, gönnt man sich in der Schweiz häufig Teilzeit, d.h. zwischen 20% und 90% der vollen Arbeitszeit. Im 2024 arbeiteten rund 39% aller Schweizer Erwerbstätigen in einem Teilzeitpensum.
Zugang zum schweizerischen Arbeitsmarkt
Laut dem Bundesamt für Statistik (BFS) hatten im 2025 ca. 35% der Erwerbstätigen in der Schweiz eine ausländische Staatsbürgerschaft, inklusive Grenzgänger, d.h. Personen, die in der Schweiz arbeiten, aber im Ausland ihren Wohnsitz haben. Ausländische Arbeitskräfte spielen für die Schweiz also eine wichtige Rolle.
Ausländer benötigen zum Arbeiten in der Schweiz eine Bewilligung, die nach kantonal recht unterschiedlichen Kriterien vergeben wird, wie z.B. Nationalität und Art der Beschäftigung. Für EU/EFTA-Bürger sind die Kriterien deutlich weniger streng als für sog. Drittstaatsangehörige (d.h. Nicht-EU/EFTA-Bürger), zu denen auch Brasilianer gehören.
Als Drittstaatsangehöriger darf man in der Regel nur dann in der Schweiz arbeiten, wenn man eine qualifizierte Fachkraft ist, deren Know-how auf dem Schweizer Arbeitsmarkt fehlt und auch nicht durch EU/EFTA-Bürger abgedeckt werden kann. Eine Arbeitserlaubnis ist auch für Kurzzeiteinsätze obligatorisch und die Anzahl der pro Jahr vergebenen Bewilligungen ist sehr begrenzt. Zusätzlich zur Arbeitserlaubnis muss ein Einreisevisum beantragt werden. Der gesamte Prozess ist ziemlich aufwendig.
Aktuelle Daten und Perspektiven
Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) veröffentlicht regelmässig Daten zur Lage auf dem Arbeitsmarkt. Den neuesten Angaben zufolge (Stand: Ende März 2026) liegt die Arbeitslosenquote bei 3.1% (146’255 Personen). Genf hat die höchste Quote (5.2%), Zürich liegt bei durchschnittlich 3.0%, und Appenzell Innerrhoden, einer der kleinsten Kantone der Schweiz, hat mit 0.7% die niedrigste Arbeitslosenquote. Alles in allem steht die Schweiz im internationalen Vergleich sehr gut da.
In Zusammenarbeit mit der Universität Zürich (UZH) veröffentlicht die Adecco-Gruppe jedes Quartal den sog. Swiss Job Market Index, der die Entwicklung des Stellenangebots sowie die Veränderungen und Trends auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aufzeigt. Die aktuelle Untersuchung verdeutlicht, dass nach wie vor ein hoher Bedarf an Arbeitskräften im Gesundheitswesen besteht, vor allem aufgrund der alternden Bevölkerung. Doch auch Spezialisten im Bauwesen oder mit Ingenieur- und Elektronikberufen sind sehr gefragt. Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage nach Fachkräften im Büro-, Verwaltungs- und IT-Bereich sowie in wirtschaftsbezogenen Berufen deutlich zurückgegangen.

